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Defektgene

..wie weit haben wir das in der Hand..


Jede Selektion gegen Defektgene kann nur erfolgreich sein, wie diese auch erkannt werden. Den größten Erfolg versprechen hier Genmarker. Schon vor Zuchteinsatz kann ich am Jungtier überprüfen, ob ein Defektgenträger vorliegt. Nur - das ist der Nachteil der Methode - für die meisten Erbkrankheiten, die die Lebensqualität einer Katze beeinträchtigen, gibt es noch keine Genmarker. Die Suche ist für die Forscher teuer und mühselig und Gelder stehen in den wenigsten Fällen dafür bereit.

Nun gehen manche Züchter hin und verpaaren Geschwister oder Verwandte ersten Grades mit dem Argument, dass Inzuchtverpaarungen zeigen, was an Defektgenen in den Tieren steckt. Aber tun sie das wirklich? Und was geschieht mit den Tieren, die bei diesem Zuchtexperiment von Erbkrankheiten betroffen sind und deren Lebensqualität eingeschränkt ist? So gesehen sind diese Art der Verpaarung im höchsten Grad unethisch. Aber stimmt es denn, dass sich die Defektgene bei einer Inzuchtverpaarung wirklich zeigen? Wir rechnen nach.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Defektgene von Vater und Mutter gleichzeitig auf das Kitten vererben, beträgt für jedes einzelne Kitten 25%. Es bleibt dem Zufall überlassen, wie sich die Defektgene innerhalb eines Wurfes verteilen. Es können alle Kitten eines z.b. Viererwurfes gesund sein, sie können Träger sein und sie können auch alle betroffen sein. Da sich die Wahrscheinlichkeit für jedes einzelne Kitten berechnet und nicht für einen Wurf, ist die Verteilung der Defektgene rein zufällig und nicht vorhersehbar. Die Aussage: Ich habe eine Inzuchtverpaarung gemacht, es ist keine Erbkrankheit aufgetreten, folglich sind meine Zuchttiere rein von Defektgenen" ist ein Trugschluss.

Ein Gen kann grundsätzlich über unendlich viele Generationen von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Anders wäre ja auch die genetische Stabilität diverser Katzenrassen gar nicht möglich. Schwierig ist die Ausmerzung von Defektgenen, die sich erst im fortgeschrittenen Alter phänotypisch zeigen, wenn die Zuchttiere schon längst Nachzucht produziert haben und sich somit das Krankheitsgen bereits in der Population verbreitet hat.

Es gibt verschiedene Zuchtstrategien um eine Rasse möglichst gesund zu erhalten. Dazu gehört in erster Linie eine Beschränkung der Zuchttiere mit gleichen Eltern. Da keiner weiß, was der hochgelobte Kater oder die Champion-Zuchtkätzin an unentdeckten Defektgenen in sich trägt, wird das Risiko der Streuung durch die begrenzte Zuchtzahl eingeschränkt. Der nächste Schritt ist bei einer Verpaarung die Doppelung der Ahnen bis zur dritten Generation zu vermeiden, um die genetische Vielfalt der Rasse zu erhalten bzw. zu fördern.

In der Nutztier- und Hundezucht werden längst Zuchtwertschätzungen als Zuchtstrategien mit großem Erfolg eingesetzt. Das setzt aber voraus, dass alle zuchtrelevanten Merkmale in eine Datenbank eingepflegt werden und bei ausreichender Informationsdichte zur Paarungsplanung heran gezogen werden können.

In der Katzenzucht ist dies noch der absolute Wunschtraum und dem steht auch die „Mauerungstaktik“ vieler Züchter entgegen, aber es lohnt sich daran zu arbeiten, zum Nutzen der Kitten und seiner Menschen.